VABO & Fragestunde

Stellv. Präsidentin Sabine Kurtz: Vielen Dank, Frau Ministerin. – Ich habe noch eine Wortmeldung des Herrn Kollegen Haser. Die können wir noch aufnehmen, wenn Sie sich beide kurzfassen. Dann ist unsere Regierungsbefragung auch beendet.

 

Abg. Raimund Haser CDU:

Frau Ministerin, meine erste Frage: Was ist denn mit den Standorten der Seminare? Gibt es hier Veränderungen?

Zweite Frage: Wie sieht es mit dem Zeitplan aus? Das Ziel des Ganzen ist ja die Steigerung der Qualität. Wann wird sowohl an den Schulen als auch vielleicht spürbar im Unterricht bei den Schülerinnen und Schülern und bei den Bürgerinnen und Bürgern der Effekt dieser Veränderungen ankommen?


Stellv. Präsidentin Sabine Kurtz: Wären Sie einverstanden, Frau Ministerin, dass wir die Frage des Herrn Abg. Dr. FulstBlei in der Beantwortung gleich mit dazunehmen? (Abg. Dr. Stefan Fulst-Blei SPD: Das war die noch offene Frage nach den Seminaren!) – Okay, dann hat sich das erledigt. Gut.

Ministerin für Kultus, Jugend und Sport Dr. Susanne Eisenmann: Das war mein Fehler; es ist angekommen.

Zum Thema Seminare sage ich zunächst einmal etwas zu den Seminarstandorten insgesamt. Auch das haben wir schon mehrfach deutlich gemacht. Die Seminarstandorte bleiben selbstverständlich, wie auch Rotenfels, die Landesakademie, erhalten. Wir brauchen die dezentralen Einheiten, und wir brauchen natürlich auch die Grundlagen und die Erfahrungen, die sie dort haben, um künftig nicht nur zentral inhaltlich Qualitätsvorgaben zu machen, sondern dies auch regional und damit dezentral umzusetzen. Deshalb werden auch die offenen Stellen an den Seminaren ausgeschrieben. Es gab deshalb offene Stellen – da haben Sie recht, Herr Fulst-Blei –, weil sich aufgrund dieses Umgestaltungsprozesses und der Tatsache, dass die Seminare künftig „Seminare für Ausbildung und Fortbildung der Lehrkräfte“ heißen werden und die Fach- und Dienstaufsicht auf das ZSL übergegangen ist, womit auch die Fortbildung in eine engere Verzahnung mit der Ausbildung kommt, natürlich auch die Beschreibung und die Aufgaben, die die Leitung erfüllen muss, ändern. Deshalb haben wir die Stellen natürlich nicht gestrichen. Sie bleiben vollumfänglich erhalten. Aber wir schreiben sie nach den neuen Bedarfen aus, da es wenig Sinn gemacht hat, sie nach dem alten Grundsatz noch auszuschreiben, um dann wenige Monate später, nach Inkrafttreten des Errichtungsgesetzes und der gesetzlichen Grundlagen, eine andere inhaltliche Ausrichtung vorzunehmen. Das erfolgt jetzt. Ich habe in der nächsten Woche auch die Leitungen der Seminare – wie schon mehrfach – zu Gast, und wir werden auch darüber diskutieren, wo es noch Schnittstellen gibt, wie man damit umgeht. Aber dieser Prozess ist jetzt eingeleitet – da gibt es bereits eine enge Abstimmung der Seminare mit Herrn Dr. Riecke-Baulecke –, sodass wir es dann auch im Bereich Regionalstellen, Seminare, ZSL passgenau schaffen, tatsächlich aus einem Guss voranzukommen.

Wir werden diese Umsetzung, Herr Haser, jetzt Schritt für Schritt gestalten und parallel dazu die Themen, die ja schon länger auf der Tagesordnung stehen und die dann in den Schulen wirksam werden. Denn dieser Prozess ist selbst ein System, das die Unterstützung der Schulen stärken soll, das in den Schulen selbst aber zunächst keine Qualitätsverbesserung hervorruft. Dies habe ich ja, wie Sie wissen, auch kontinuierlich deutlich gemacht. Das ist uns durchaus bewusst. Es ist ein Zweisäulensystem. Aber gerade am Thema Fortbildung wird gearbeitet, daran, wie wir die Fortbildungen inhaltlich schwerpunktmäßig unter Qualitätsstandards stellen können, um sie dann in die Fläche zu bringen. Daran wird bereits gearbeitet, sodass wir davon ausgehen, dass wir dabei relativ zügig vorankommen. Auch die Arbeitsaufnahme im Gespräch mit den Schulleitungen wird relativ zügig erfolgen, um zu sehen, wo wir – auch im Rahmen des Bildungsmonitorings, das das IBBW macht – zügig vorankommen, um mit den Leitungen von Schulen aller Schularten an den einzelnen Standorten zu sehen: Wo sind Bedarfe, wo sind Handlungen, wie müssen wir zuarbeiten, um ins Unterstützungssystem zu kommen? Das heißt, wir sind auf einem sehr guten Weg. Es ist ein sukzessiver Prozess. Ich muss mich auch ausdrücklich bei meinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern bedanken. Das ist ein sehr aufwendiger Personalfindungsprozess. Deshalb führen wir das Ganze mit dem nötigen Hochdruck, aber auch mit der nötigen Qualität durch, die wir brauchen, die unsere Mitarbeiter auch verdienen.

Aber ich gehe davon aus, dass wir auf diesen beiden Schienen im Herbst schon deutlich vorangekommen sein werden. Vielen Dank. (Beifall bei Abgeordneten der CDU und der Grünen)

 

Stellv. Präsidentin Sabine Kurtz: Vielen Dank, Frau Ministerin. – Damit schließen wir die Regierungsbefragung unter Tagesordnungspunkt 4 ab.

 

 

 

 Sehr geehrte Frau Präsidentin,
meine lieben Kolleginnen und Kollegen!

Herr Kleinböck, ich denke, Frau Boser hat gleich den ersten Satz, den Sie gesagt haben, schon sehr überzeugend widerlegt. Ich möchte das nur noch einmal betonen. Sie haben gesagt, dass es gerade aufgrund der Flüchtlingszuwanderung so eine große Herausforderung ist. Ich glaube, wir müssen andersherum argumentieren und sagen: Selbstverständlich ist der Stellenaufbau, der Deputatsaufbau, den wir dort haben, der Flüchtlingswelle geschuldet. Wir sollten aber die Ressourcen tatsächlich nutzen, um den Spracherwerb insgesamt an den Schulen auch dauerhaft zu verbessern. Bei uns zu Hause, in der IHK-Region Bodensee/Oberschwaben, gab es jüngst eine Erhebung, wie viele in den VABOKlassen mittlerweile tatsächlich noch Flüchtlinge sind.

Diese Zahl sinkt rapide. Trotzdem werden die VABO-Klassen nicht unbedingt kleiner. Das liegt schlicht und einfach daran, dass zurzeit der Zuwachs an Beschäftigten bei uns hauptsächlich aus dem europäischen Ausland kommt. Das sind Menschen, die auch bleiben werden. Auch ein Rumäne, ein Pole, eine Ungarin oder eine Kroatin haben Anspruch darauf, in diese Gesellschaft aufgenommen zu werden. Ich glaube, es ist uns immer stärker bewusst, welche Rolle Sprache dabei spielt. Wenn wir sagen, dass Bildung der Schlüssel zu einem selbstbestimmten Leben, also zu einem auch beruflich erfolgreichen Leben ist, dann müssen wir noch einmal einen Schritt zurückgehen und sagen: Die Voraussetzung für Bildung ist die Sprache. Denn Biologie, Geschichte, Gemeinschaftskunde, irgendwann vielleicht auch Betriebswirtschaftslehre, Volkswirtschaftslehre oder Jura werden nun einmal in Deutsch unterrichtet. Deswegen ist es als Schlüssel wichtig, dass man Deutsch spricht.

(Beifall bei der CDU und des Abg. Dr. Heinrich Fiechtner [fraktionslos] – Vereinzelt Beifall bei den Grünen)

Das ist auch ein Unterschied zu der Zuwanderung, die wir in den Sechziger-, Siebzigerjahren des vorigen Jahrhunderts und vielleicht noch in den Neunzigerjahren, als die Spätaussiedler zu uns gekommen sind, hatten. Früher war das kein Problem. Wir hatten so viele Arbeitsplätze mit einfachen Tätigkeiten, die man auch ohne große Sprachkenntnisse problemlos 40 Jahre lang ausüben konnte. Gerade im industriellen Bereich gab es sehr viele Berufe, in denen man gut Geld verdienen konnte, auch wenn man kein einziges Wort Deutsch sprechen konnte.

Ein Unternehmen, das ich jüngst besucht habe, ist eine Glasfabrik. Dort wird schwere Arbeit verrichtet. Dort war die erste Sprache, die die Gastarbeiter gesprochen haben, Türkisch. Da hat man alles auf Deutsch und auf Türkisch hingeschrieben. Dann hat man es auf Deutsch, Türkisch, Italienisch und Spanisch hingeschrieben. Irgendwann kamen Portugiesisch und in den Neunzigerjahren Russisch und Rumänisch hinzu.
(Zuruf von der AfD: Was ist mit Schwäbisch?)
Dann hat die Geschäftsleitung gesagt: Wir sind ein deutsches Unternehmen, und hier wird Deutsch gesprochen. Das hatte den positiven Effekt, dass Menschen plötzlich Deutsch gelernt haben, die vorher 40 Jahre lang kein Wort Deutsch gesprochen haben. Ich glaube, das müssen wir auch als Auftrag annehmen, dass das Thema „Erwerb der deutschen Sprache“ viel, viel wichtiger ist. Deswegen dürfen wir auch in den Ressourcen nicht nachlassen.
(Beifall bei Abgeordneten der CDU und des Abg. Dr. Markus Rösler GRÜNE)

Ich möchte auf zwei Punkte noch besonders eingehen. Es geht nicht nur um die Ressourcen, sondern es geht auch darum, mit der Heterogenität der Schülerschaft in diesen VKL-Klassen umzugehen. Es sind nicht alle, die kein Deutsch können, automatisch auf derselben Bildungsstufe. Im Bereich der VABO-Klassen sitzt etwa die rumänische Gymnasiastin neben dem Analphabeten aus Afghanistan. Das muss man irgendwie zusammenbringen. Deswegen ist es gut, dass es mit der Onlineplattform 2P – Potenzial und Perspektive –, die jetzt noch weiterentwickelt wird, die Möglichkeit gibt, auf diese Heterogenität einzugehen.

Ein zweiter wichtiger Punkt, der verändert wurde, ist, dass der Deutscherwerb nicht nur in der VKL-Klasse möglich ist, sondern dass der Übergang in die Regelbeschulung sanfter gestaltet wird. In welchem Umfang, muss man, wie ich glaube, ein Stück weit auch immer lernen. Insgesamt ist es ein lernendes System. Es hat mit Menschen zu tun, und zwar immer mit unterschiedlichen Menschen. Die Situation 2015 war anders als die Situation 2019, und die Situation 2025 wird wieder anders sein.

An dieser Stelle danke ich allen Lehrerinnen und Lehrern und allen Ehrenamtlichen, die in den vergangenen Jahren in dieser wirklich schwierigen Aufgabe, die für uns alle nicht einfach war, schwierige Situationen überstanden haben und auch mit Problemen konfrontiert waren, die für Deutsche vielleicht sehr ungewöhnlich sind und bei denen vieles unklar war.
Mein größter Dank für dieses Engagement.
Wir werden Sie in unseren Überlegungen nicht vergessen.
Danke schön.

(Beifall bei der CDU – Vereinzelt Beifall bei den Grünen)

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