Lehrerfortbildung an den Hauptschulen

Raimund Haser MdL, in seiner Plenarrede vom 20. Februar 2019:

Sehr geehrte Frau Präsidentin,

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

 

Es sind bewegte Zeiten in der Bildungspolitik. Als jemand, der davon ausgeht, dass nicht alles verkehrt war, was man vor 2011 in Sachen Bildung in diesem Land entschieden hat, und der die letzte Legislaturperiode nur unter vielen Schmerzen ertragen hat, darf man doch verwundert sein:

Da sorgt sich ausgerechnet die SPD um eine Frage, die sie während ihrer Regierungszeit selbst hätte beantworten können. Nämlich: Wenn Ihre Idee der Transformation aller Haupt- Werk- und Realschulen zur Gemeinschaftsschule hin doch so perfekt war. Warum haben Sie sich dann nicht selbst darum gekümmert, dass jene, deren Qualifikation und Gehalt nicht in diese schöne neue Welt passt, eine Perspektive haben? 

Wo war Ihr Qualifizierungsprogramm für nicht mehr an Hauptschulen eingesetzte Hauptschullehrer? Das Programm, das erst diese Regierung unter dieser Bildungsministerin eingeführt hat?

Vom Geld ganz zu schweigen! 

Ich zeige Ihnen hier mal einen Auszug aus der Mittelfristigen Finanzplanung, Abteilung Stellenhebung im Hauptschulbereich.

Was? Da steht nichts drauf? Stimmt! Wo sind Ihre Mittel in der mittelfristigen Finanzplanung für die von Ihnen geforderten Stellenhebungen, die Sie nun fordern und die nun auch Gegenstand des Beschlussantrags der FDP sind? 

Wo war Ihre Lösung für diejenigen, die nun als Leistungsträger in den Hauptschulen sitzen - zwischen Baum und Borke, sprich: Zwischen dem Baum, der von unten in Form junger Kollegen wegen des von der Vorgängerregierung reformierten Studiengangs gleich mit A13 anfängt, und der Borke, die in Form älterer Kollegen auswächst und mit A13 in den Ruhestand geht? Dazwischen hängen heute in A12 die Leistungsträger unserer verbliebenen 458 Haupt- und Werkrealschulen, die mit dem Höchstsatz an Stunden, mit maximaler psychischer Belastung und mit einem unglaublichen Eifer um jeden Schüler kämpfen. 

Ich kenne diese Lehrer. Sie sind wichtige Säulen, überzeugte Kämpfer für diejenigen, die am meisten Aufmerksamkeit und Zuwendung brauchen. Sie verdienen unseren Respekt und unsere Unterstützung!

 

Meine Lieben Kolleginnen und Kollegen, 

Bei aller Freude über Briefe - es verwundert mich schon, wer denn im Begleitkonzert der Bildungsarbeit plötzlich den Wert der Hauptschule wiederentdeckt. Eine Schule, für die die CDU immer gekämpft hat und die unserer Meinung nach auch heute noch von unschätzbarem Wert ist - dort wo es sie noch gibt. 

Jetzt, wo von 1.197 Schulen und einer Übergangsquote von 27,7 Prozent aller Viertklässler im Jahr 2011 nur noch 458 Schulen, davon rund 350 Schulen ohne Eingangsklasse 5 übrig sind, erreichen uns Briefe - erst jüngst vom Landeselternbeirat - die die Hauptschule für eine bedrohte Schulart halten, um die man sich kümmern müsse. Vielen Dank dafür. Aber wo waren diese Briefe 2011, 2012, als wir sie gebraucht hätten? Als es ein Aufschrei auf der Straße hätte geben müssen? Als die Hauptschulen sie gebraucht hätten? Als die Hauptschullehrer sie gebraucht hätten? 

Die damals Verantwortlichen haben ungestraft behauptet, die Hauptschule hätte ausgedient - das hatte sie aber, UND DAS WISSEN SIE! - erst durch die Kombination aus einer Abschaffung der Verbindlichkeit der Grundschulempfehlung und einer Pistole-auf-die-Brust-Politik zugunsten der Gemeinschaftsschule.

 

Und deshalb möchte ich daran erinnern: 

Wir, die CDU, sind diejenigen, die der Haupt- und Werkrealschule zu einem eigenen Titel im Koalitionsvertrag und zu einem eigenen Referat im Bildungsministerium verholfen haben. 

Wir sind diejenigen, die schon bald ein Konzept vorlegen werden, das nicht nur die von Ihnen angesprochenen Probleme in der Qualifizierung löst, sondern das auch darüber nachdenkt, wie wir die an den Hauptschulen verbliebenen Hauptschullehrer nach A13 anheben können. 

Bei diesen Ansinnen dürfen uns gerne alle unterstützen. Spätestens wenn es ums Geld geht wird sich zeigen, wer sich über Briefe nur freut und wer sich tatsächlich für die Belange der Lehrerinnen und Lehrer und damit auch der Schülerinnen und Schüler einsetzt. 

 

Vielen Dank!

 

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