Aktuelle Debatte Besoldung von Rektoren

Sehr geehrte Frau Präsidentin,

Liebe Kolleginnen und Kollegen.

 

Geld allein macht nicht glücklich. Ich weiß. Und die Lehrerinnen und Lehrer wissen das auch. Und die Rektorinnen und Rektoren wissen das auch. Aber - und auch das wissen sie alle - mit Geld kann man viele Sachen kaufen, die glücklich machen.

Deshalb möchte ich doch darum bitten, dass wir neben all der intrinsischen Motivation, die bereits zur Sprache kam, die Realität, sprich: extrinsische Komponenten, nicht aus den Augen verlieren.

Das schnödeste extrinsische Motivationstool ist das Gehalt. Und - so einfach und so wenig innovativ das klingen mag: Die höhere Einstufung von Beamtinnen und Beamten ist noch immer das beste Mittel, um junge Menschen dazu zu bringen, Verantwortung zu übernehmen. Vor allem dann, wenn der Gehaltsunterschied zu den Untergebenen dadurch signifikanter wird.

Ja, Rektor zu sein, heißt Gestalten können, heißt: pädagogische Konzepte zu entwerfen und sie umzusetzen, heißt Mitarbeiter zu führen, verantwortlich zu sein, heißt, mit der Kommune zu verhandeln, heißt öffentliche Anerkennung erhalten. Das ist toll.

Rektor sein heißt aber auch: das Haus als Erster zu betreten und als Letzter zu verlassen, heißt im Gemeinderat um Geld zu betteln, heißt den Förderverein am Leben zu halten, heißt Vakanzen zu überbrücken, zu Dienstbesprechungen zu fahren und mit einer Halbtageskraft im Sekretariat eine schier unglaubliche Bürokratieflut zu bewältigen.

Und deshalb sage ich zunächst einmal: Vielen Dank an alle, die sich dieser Herausforderung stellen!

Ich sage aber an uns Parlamentarier gerichtet auch: Wer A sagt, muss auch B sagen. Wenn wir glauben, dass wir auf Dauer Menschen dazu bringen, für 200 Euro mehr im Monat den Hocker des Lehrerdaseins mit dem Feuerstuhl des Rektors zu tauschen, dann haben wir uns geschnitten.

Und deshalb lehnen wir den aktuellen Vorschlag unserer hoch geschätzten Bildungsministerin Dr. Susanne Eisenmann und unserer Finanzministerin Edith Sitzmann in einem Punkt entschieden ab! Wir als CDU-Fraktion wollen neben der Besoldungsgrenze „über oder unter 80 Schüler“ nicht auch noch eine „über oder unter 40 Schüler“ einführen. Erst recht wollen wir nicht, dass über eine Besoldungsstufe für Rektoren die Debatte über kleine Grundschulen befeuert wird - so wie das heute leider der Fall ist. 

Wir sind stattdessen dafür, 500.000 Euro in die Hand zu nehmen und eine ehrliche, einfache Botschaft an unsere Rektoren und deren potenzielle Nachfolger zu senden: Wer bereit ist, Verantwortung zu übernehmen, wird es nicht bereuen, egal wie groß die Schule ist. Kein Rektor in Baden-Württemberg wird unter A13 vergütet. Ohne Ausnahme. Und das ab dem nächsten Doppelhaushalt.

Warum hängen wir so an den rund letzten 100 Schulen, die unter die Zahl 40 fallen würden? 

Weil es, abgesehen davon, dass das Land junge Lehrer davon abhält, niederschwellig Verantwortung zu übernehmen, die falsche Botschaft senden würde.

Die falsche Botschaft im Flächenland Baden-Württemberg,

die falsche Botschaft in einem Land, in dem selbst Ministerpräsidenten in Grundschulen gegangen sind, die weniger als 40 Schüler hatten,

die falsche Botschaft in einem Land, das wie kein zweites in der Bundesrepublik die Gleichwertigkeit zwischen Stadt und Land immer verteidigt und größtenteils verwirklicht hat,

Eine Botschaft, die in ihrer Wirkung gar nicht verheerend genug eingeschätzt werden kann.

Eine Botschaft, die ich oft lese, für die ich aber noch nie einen Beleg gefunden habe, der einigermaßen empirisch belastbar wäre.

 Die Botschaft lautet:

 

„Auf kloine Schuala aufm Land - do lernt ma doch nix!“

 

Erst am Wochenende hat die Südwestpresse diese Botschaft in einem Satz formuliert. Ich zitiere: „Kleine Grundschulen stehen immer wieder in der Kritik, etwa wegen der Unterrichtsqualität.“ 

Der Satz bleibt unwidersprochen. Seit Jahren. In vielen Debatten.

Deshalb will ich ihm heute noch entschiedener entgegentreten, als es die SPD bereits getan hat:

Ob ein Kind etwas lernt, hängt erstens vom Lehrer, zweitens vom Unterricht und drittens vom Umfeld des Schülers ab. Alle drei Komponenten sind unter anderem das Ergebnis einer guten Führung durch den Rektor, einer guten Zusammenarbeit mit und einer Wertschätzung durch den kommunalen Träger sowie einer dementsprechend motivierten Unterrichtsleistung der Lehrerinnen und Lehrer. Größe kommt in diesem Kontext nicht vor!

Darüber hinaus sind kleine Grundschulen oft der einzige Schmelztiegel, der einem Dorf geblieben ist, wenn der Pfarrer nur noch alle zwei Wochen kommt und die letzte Kneipe geschlossen hat. Sie sind Zentrum kulturellen und sozialen Lebens, sie sind der Ort, wo Kinder und Erwachsene zusammengeschweißt werden und wo Heimat vom abstrakten Begriff zum täglich Greifbaren wird. Sie sind darüber hinaus der Ort, an dem der Musikdirektor den Posaunisten und die Fußballmannschaft ihre Mitspielerinnen akquiriert. Ohne Schule kein Kontakt, ohne Kontakt kein soziales Umfeld. Kein Schulbus kann ein Klassenzimmer ersetzen. 

Wer auf dem Land lebt, muss auf vieles verzichten. Das ist so wie es ist.

Aber wer den Dörfern die Grundschulen nimmt,

Der reißt ihnen das Herz heraus. 

Woher kommt also die Kritik? Sie kommt aus der Verteilung von Ressourcen!

Sie kommt von denen, die gemäß dem Landesrechnungshofbericht eine Ungerechtigkeit erkennen wollen in der Lehrer-Schüler-Relation in Stadt und Land. Und die, wie es der Rechnungshof formuliert hat, sogar empfehlen, die Kommunen dafür zu bestrafen, dass sie kleine Schulen unterhalten.

Dagegen wehren wir uns mit Händen und Füßen! Solange die CDU in diesem Land etwas zu sagen hat, gilt das Prinzip kurze Beine, kurze Wege - und zwar bis zu dem Tag, an dem sich die Kommunen, und zwar nur die Kommunen, anders entscheiden.

Und auch das tun sie! In den letzten 12 Schuljahren ist die Zahl der Grundschulen in Baden-Württemberg um 134 auf 2.347 zurückgegangen - das ist ein Minus von über fünf Prozent! Aus kommunaler Überzeugung, und nicht aufgrund des Drucks vom Land. 

Ein letztes noch zum Thema Rektorenschaft:

Warum ist uns ausgerechnet die Stellung des Rektors so wichtig?

Weil wir gleichzeitig mit einer Schulleiterstärkung auch das Anforderungsprofil schärfen wollen. Natürlich setzt unsere Qualitätsoffensive auf Unterstützung - aber gerade dadurch werden die Rektoren und Lehrer ja zum Dreh- und Angelpunkt unserer Bildungspolitik. Und deshalb sagen wir: Wer führen will, muss führen können! Ein Rektor muss wissen und akzeptieren, dass Probleme zunächst vor Ort gelöst werden, dass man mit gutem Beispiel vorangehen muss, dass man nicht heute auf den Bürgermeister und morgen auf das Kultusministerium schimpfen kann, sondern dass man unter den gegebenen Voraussetzungen verpflichtet ist, sein Bestes zu geben.

 

Schon der Heilige Benedikt von Nursia hat im 6. Jahrhundert in seiner „Regel des Hl. Benedikt“ den Äbten der Benediktinerklöster vorgegeben, was gute Führung heißt:

„Wer also den Namen Abt annimmt“, so schrieb er 540, „muss seinen Jüngern in zweifacher Weise als Lehrer vorstehen: Er macht alles Gute und Heilige mehr durch sein Leben als durch sein Reden sichtbar.“ 

Es geht also darum, vorbildhaft zu sein - in dem was man sagt und in dem was man tut. Und ja, dazu gehört manchmal auch, dass man als Rektor einer kleinen Schule die Glühbirne selber auswechselt oder den Schnee selber von der Treppe fegt.

Eine solche Praxis als Ausweis einer dysfunktionalen Schule zu werten, ist grotesk!

Im Gegenteil: Von wem sollen Schülerinnen und Schüler mehr lernen als vom Rektor, dass nicht nur Mathe und Deutsch wichtig sind, sondern auch Demut und die Freude, für andere da zu sein.

 

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