Digitale Bildung und Medienbildung in BW

Sehr geehrte Frau Präsidentin,
meine lieben Kolleginnen und Kollegen!

Man kann noch so viele Bücher lesen, noch so lang in die Schule gehen und noch so viele Abschlüsse machen: Ich glaube, das, was den Menschen letztlich ausmacht, was ihn erfolgreich werden lässt, was ihn vielleicht auch manchmal scheitern lässt, was ihn letztlich auch von anderen unterscheidet, passt am Ende immer auf einen kleinen Kieselstein. Auf diesem Kieselstein steht, ob ich den kindlichen Drang nach Wissen in das Erwachsenenalter mitnehme. Auf diesem Kieselstein steht, ob wir den Biss haben, uns tief in Sachen hineinzubohren. Auf diesem Kieselstein steht auch, ob wir Teil einer Gesellschaft sein möchten, Verantwortung übernehmen möchten oder ob wir uns am liebsten den ganzen Tag um uns selbst kümmern.

Dieser ganzheitliche Blick auf die Bildung und auf die Ganzheit des Menschen darf uns – egal, in welcher Diskussion – nie verloren gehen. (Beifall bei Abgeordneten der CDU und der AfD sowie der Abg. Andrea Lindlohr GRÜNE)

Selbstverständlich ändern sich Techniken über die Zeit. Auch die Tafel ist keine 2 000 Jahre alt. Es gab auch einmal die Einführung des Flipcharts und der Metawand. Das heißt, in der Technik entwickeln wir uns immer weiter. Aber die Digitalisierung hat eben noch einen weiteren Aspekt. Es geht nicht nur darum, die Digitalisierung durch unterschiedliche Spielformen im Unterricht ankommen zu lassen, sondern es geht auch darum, die Digitalisierung zu nutzen, um Schule insgesamt effizienter zu machen, Ressourcen besser zu steuern und genau das zu tun, was wir mit „ella“ vorhaben.

Die Diskussion darüber, ob wir angesichts der Digitalisierung den Bildungsplan entschlacken müssen, halte ich an dieser Stelle für nicht angebracht. Wir haben einen fast nagelneuen Bildungsplan, für den wir uns jahrelang Zeit gegeben haben, wir haben die Leitperspektive Medienbildung drin. Auch wenn man es nicht als Fach hat und der Unterricht in Informatik erst in der siebten Klasse beginnt, soll Medienbildung trotzdem in jedem Jahrgang eine Rolle spielen. Das ist auch ein sehr gutes Ergebnis dieses ja sehr breiten Prozesses.

Ein I-Pad ersetzt aber keinen Lehrer, (Beifall der Abg. Stefan Herre und Stefan Räpple AfD) und ein I-Pad ersetzt auch nicht die Beschäftigung mit Literatur. Ein I-Pad kann mir auch nicht einzig und allein die Frage beantworten, was eine Biene dazu bringt, eine Blume zu bestäuben. (Heiterkeit bei Abgeordneten der SPD)

Es geht also darum, sich zu fragen, wie wir Schulbildung insgesamt effizienter und besser gestalten können, und nicht darum, Dinge zu ersetzen. Meine lieben Kolleginnen und Kollegen, als ich im Jahr 1975 geboren wurde – ich weiß, einige saßen da schon im Landtag –, (Heiterkeit) hat Bill Gates ein Listing eines Bootstrap Loaders – das ist ein Programm, das man braucht, damit der Computer die Festplatte findet – mit 25 Bit in einer Zeitung veröffentlicht. Das konnte man dann abschreiben, und dann konnte man das zu Hause nachmachen. Als ich Abitur gemacht habe, gab es schon 91 Millionen Handys auf der Welt, und heute sind es 7,2 Milliarden Smartphones weltweit, also ungefähr so viele, wie Menschen auf diesem Planeten leben. Wie Frau Boser schon ausgeführt hat: Die JIM-Studie zeigt, dass die Digitalisierung bei uns breit angekommen ist, wenn 95 % der Zwölf- bis 19-Jährigen ein Smartphone besitzen.

Weil wir wollen, dass Baden-Württemberg auch morgen noch in Bereichen wie Mobilität, Maschinenbau oder Logistik, also in unseren klassischen großen Bereichen, erfolgreich ist, müssen wir uns natürlich um dieses Thema kümmern. Dabei muss uns auch der Bund unterstützen, und zwar nicht durch Programme, die an unseren Programmen vorbei direkt an die Schulen gehen, sondern durch Programme, die die Programme in unserem Haushalt und in unseren eigenen Ideen unterstützen.

Dabei dürfen wir eines nicht vergessen: Auch ein Bill Gates hat das Programmieren nicht in der Schule gelernt, aber auf seinem kleinen Kieselstein stand alles drauf, was man braucht, um ein guter Programmierer, ein ausgezeichneter Unternehmer und darüber hinaus noch ein sozial engagierter Mensch zu sein.

Vielen Dank.

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